Frustkauf? Bloß nicht!

FRUSTKAUF? BLOSS NICHT!

Das Wetter ist mies, irgendwie schlechte Laune überall, und der Freund zickt auch mal wieder vor sich hin. Schokolade hilft ein bisschen, ganz bestimmt, aber wirklich guttut jetzt nur eines: Shoppen gehen.
Also nix wie rein in den Klamottenladen, ran an die Regale, ab in die Kabine, und schon ist die Laune besser … spürbar. Die Hose sitzt super, das T-Shirt hat eine tolle Farbe, die Verkäuferin bringt fröhlich noch die passende Jacke.
Im Spiegel strahlt das gut gelaunte Ich, die Verkäuferin findet alles auch ganz toll – und was sind schon ein paar Euro? Zumindest ist die schlechte Laune wie weggeblasen… Und kommt am nächsten Tag womöglich schnell zurück.
Die Hose ist auf einmal doch ein bisschen eng, in der tollen Farbe gibt es schon drei T-Shirts im Schrank. Das Geld ist weg, und die Shopping-Beute kippt – surprise, surprise – zum echten Stimmungskiller: ein Teufelskreis, dieser blöde Frustkauf, den wir alle kennen und doch immer wieder praktizieren. Weil wir hoffen, durch den Spaß an dem Gekauften und dem kurzfristigen Glücksgefühl, das beim Kaufen entsteht, die eigenen negativen Gefühle zu vertreiben oder zumindest zu überdecken.
Frustkäufe werden meist impulsiv, unüberlegt gemacht: Man möchte einfach nur etwas kaufen. Aus Frust gibt man Geld aus, manchmal sogar übermäßig viel, statt darüber nachzudenken, ob man die neue Hose oder das neue T-Shirt wirklich braucht. So kauft man oft einfach nur irgendetwas, das man ohne Frust im Nacken vermutlich nie gekauft hätte. Und ärgert sich noch über das verlorene Geld, was wiederum nur Frust, manchmal sogar Schuldgefühle erzeugt: gerade wenn das Geld knapp ist und man sich den spontanen Frustkauf eigentlich nicht hätte leisten können.

 

Was also tun, wenn der Frust mal wieder groß ist und einzig Shoppen als Ausweg lockt? Bevor man kopflos ins nächste Shoppingparadies stürzt, könnte man die eigene Spontan-Verknüpfung „eine neue Hose vertreibt meinen Frust“ einmal kritisch überprüfen: Will ich mich wirklich schlechtgelaunt zu einem Frustkauf hinreißen lassen – und am nächsten Tag darüber ärgern? Brauche ich wirklich eine neue Hose? Habe ich überhaupt Geld dafür übrig?
Leichter gesagt, als getan – besonders dann, wenn sich alte Denkmuster, Verknüpfungen wie „Shoppen macht glücklich“ automatisch einschleichen. Aber ist der Frustkauf erst einmal als sinnlose Aktion enttarnt, spricht nichts dagegen, sich das auch bewusst zu machen. Das heißt, sich einzugestehen, was man gerade vorhat: „Weil ich gerade so gefrustet bin, kaufe ich mir jetzt eine neue Hose, die ich eigentlich nicht brauche und über die ich mich morgen ärgern werde.“ Wer es schafft, sich das einzugestehen, wird vermutlich wenig Lust auf einen Frustkauf haben. Und vielleicht nach anderen Möglichkeiten suchen, um den Frust langfristig zu vertreiben.
Es spricht aber auch nichts dagegen, sich einen ablenkenden Einkaufsbummel zu gönnen – am besten mit einer Freundin als Begleitung… Besser als sich im dunklen Zimmer einzuschließen, ist das allemal. Man bewegt sich, begegnet Menschen, sieht neue Sachen, die man selbstverständlich auch an- und ausprobieren kann – nur kaufen sollte man sie besser nicht.
Jedem Kauf sollte eine bewusste Entscheidung vorausgehen – doch gerade wenn man deprimiert ist, kann man sich oft nicht bewusst entscheiden. Davon lebt der Frustkauf, und auch manche Verkäuferin, die ihre willigen Opfer auf den ersten Blick erkennt.
„Passt mir die Hose wirklich? Brauche ich die Hose wirklich? Kann ich mir sie wirklich leisten?“ Wer es schafft, sich diese Fragen in der Kabine vor dem Spiegel zu stellen, ist auf dem besten Weg, dem Frustkauf zu entkommen. Ist die Antwort auf alle drei Fragen ein ehrliches „Ja“, heißt es zuschlagen. Bei einem genauso ehrlichen „Nein“ sollte man die Kabine am besten so schnell wie möglich verlassen und sich lachend eine Riesenportion Schokoladeneis gönnen.
Und hat der Frustkauf trotz aller bewussten und ehrlichen Fragen dennoch mal wieder zugeschlagen: Was spricht eigentlich gegen einen Befreiungsschlag am nächsten Tag? Man kann das Zeug ja auch gut gelaunt wieder zurückbringen.


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